Samstag, 11. Oktober 2008
Feht dir deine Familie?
Samstag, 11. Oktober 2008
Sie ist nicht groß - so groß wie eine Postkarte halt
"...in einer lauen herbstnacht wurdest du geboren..."
Mama
"Fehlt dir deine Familie?"
"Nein."
Er hat sie einmal sehr geliebt - diese die seine Familie.
Bis sie mich kennenlernten und mich verstießen. Sie hofften, dass auch er mich verstieß.
So musste er sich damals entscheiden - und entschied sich für mich.
Eine lange Zeit der Stille entstand. 2,5 Jahre Stille.
Dann fuhr ich hin, und knüpfte neue Bande. Doch ER hatte Angst, Panik, wenn das Telefon klingelte. Seine Mutter war für ihn gestorben. Sein Bruder hatte ihn enttäuscht, sein Vater schwieg, seine Schwägerin intervenierte.
Was passierte?
Ein Eklat - sie verlangten Entschuldigungen. Für Verletzungen, die wir uns alle einmal gegenseitig angetan hatten.
Also kam wieder die Stille.
Diese ist jetzt schon wieder fast ein Jahr lang alt.
Sein Vater hat nicht auf der Karte unterschrieben.
ER ist traurig - auch, wenn der Trotz, die Wut und die Verletzungen in ihm sagen "ist doch egal".
Dann möchte ich ihn umarmen und halten, ihm die Liebe geben, die er einst von seiner Mutter bekam.
Doch ich weiß, dass ich das nicht kann.
Dieses Vertrauen hat SIE zerstört.
Es ist so schade, und so traurig.
So kann ich ihm nur die Liebe geben, die von mir für ihn ist...so einfach, so rein...so liebend.
Luna
"...in einer lauen herbstnacht wurdest du geboren..."
Mama
"Fehlt dir deine Familie?"
"Nein."
Er hat sie einmal sehr geliebt - diese die seine Familie.
Bis sie mich kennenlernten und mich verstießen. Sie hofften, dass auch er mich verstieß.
So musste er sich damals entscheiden - und entschied sich für mich.
Eine lange Zeit der Stille entstand. 2,5 Jahre Stille.
Dann fuhr ich hin, und knüpfte neue Bande. Doch ER hatte Angst, Panik, wenn das Telefon klingelte. Seine Mutter war für ihn gestorben. Sein Bruder hatte ihn enttäuscht, sein Vater schwieg, seine Schwägerin intervenierte.
Was passierte?
Ein Eklat - sie verlangten Entschuldigungen. Für Verletzungen, die wir uns alle einmal gegenseitig angetan hatten.
Also kam wieder die Stille.
Diese ist jetzt schon wieder fast ein Jahr lang alt.
Sein Vater hat nicht auf der Karte unterschrieben.
ER ist traurig - auch, wenn der Trotz, die Wut und die Verletzungen in ihm sagen "ist doch egal".
Dann möchte ich ihn umarmen und halten, ihm die Liebe geben, die er einst von seiner Mutter bekam.
Doch ich weiß, dass ich das nicht kann.
Dieses Vertrauen hat SIE zerstört.
Es ist so schade, und so traurig.
So kann ich ihm nur die Liebe geben, die von mir für ihn ist...so einfach, so rein...so liebend.
Luna
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Manchmal
Samstag, 11. Oktober 2008
Manchmal wird es dunkel…
obwohl der Himmel wolkenlos ist
Manchmal werden Augen feucht…
wo eben noch ein Lächeln wohnte.
Manchmal wird die Welt ganz stumm,
dabei singen die Vögel ihre Lieder.
Manchmal sind Herzen unberührbar kalt,
die doch eben noch in Liebe glühten.
Manchmal kommt die Angst,
wobei die Hoffnung in dem Heute wohnt.
Manchmal ist man traurig,
obwohl das Leben Lachen zeigt.
Manchmal…
…erinnere ich mich…
und falle
in die Seele
die dort tief
im Verborgenen
wartet.
Manchmal – ist man traurig.
obwohl der Himmel wolkenlos ist
Manchmal werden Augen feucht…
wo eben noch ein Lächeln wohnte.
Manchmal wird die Welt ganz stumm,
dabei singen die Vögel ihre Lieder.
Manchmal sind Herzen unberührbar kalt,
die doch eben noch in Liebe glühten.
Manchmal kommt die Angst,
wobei die Hoffnung in dem Heute wohnt.
Manchmal ist man traurig,
obwohl das Leben Lachen zeigt.
Manchmal…
…erinnere ich mich…
und falle
in die Seele
die dort tief
im Verborgenen
wartet.
Manchmal – ist man traurig.
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Gerade jetzt
Samstag, 11. Oktober 2008
Gerade jetzt
trifft es mich schwer
höre ich Kinderlachen
und mein Arm ist leer.
Ich strecke meine Hand zu dir aus,
halt mich fest an deiner Brust,
lieb mich nah und lass mich nicht los.
Wenn es dunkel wird
singen unzählige Mütter
ihren Kindern den Schutz der Nacht.
Meine Stimme bleibt stumm.
Gerade jetzt
fließen die Tränen
meiner Traurigkeit
in meinen Schoß.
Nimm mich auf in deiner Liebe.
Gib mir ab von deiner Kraft.
Halt mich heut vom gestern fest für morgen.
Küss mir das Salz von meiner Haut…
und dann wein mit mir um diesen Traum.
trifft es mich schwer
höre ich Kinderlachen
und mein Arm ist leer.
Ich strecke meine Hand zu dir aus,
halt mich fest an deiner Brust,
lieb mich nah und lass mich nicht los.
Wenn es dunkel wird
singen unzählige Mütter
ihren Kindern den Schutz der Nacht.
Meine Stimme bleibt stumm.
Gerade jetzt
fließen die Tränen
meiner Traurigkeit
in meinen Schoß.
Nimm mich auf in deiner Liebe.
Gib mir ab von deiner Kraft.
Halt mich heut vom gestern fest für morgen.
Küss mir das Salz von meiner Haut…
und dann wein mit mir um diesen Traum.
frau vom meer | 0 Wellen | Kommentieren
Donnerstag, 24. April 2008
Kundengespräch
Donnerstag, 24. April 2008
Sie ist Krankenschwester.
Okay, sie ist Mutter - sie war Krankenschwester.
Nebenbei arbeitet sie im Direktvertrieb für eine Firma.
Gestern fragte ich sie, ob ihr der Job fehlen würde, den sie einmal gelernt hat.
Sie dachte einen Moment nach und sagte dann folgendes zu mir.
"Wenn ich schon Sachen abarbeiten muss um mit dem geringsten Aufwand viel zu verdienen, dann arbeite ich lieber Produkte ab, als Menschen."
Wir unterhielten uns noch eine Weile über die Zustände in Krankenhäusern und ich erzählte ihr von meiner Erfahrung, als ich am 2. Tag nach meiner Operation früh um halb 6 klingelte und die Schwester darum bat, mich zur Toilette zu begleiten..."wir machen erst die Übergabe und dann kommt jemand" war die Antwort - aus der Gegensprechanlage. 20 Minuten später klingelte ich erneut - mittlerweile war ich kurz vor dem weinen. Endlich kam jemand...und ich erklärte dem Arzt und allen Schwestern bei der Visite, dass ich das ihnen allen wünschen würde, dass ihnen einmal im Leben dieselbe unwürdige Behandlung widerfahren würde.
Hätte ich es nicht ausgehalten, hätte ich wohl eine halbe Stunde in meiner eigenen Scheiße gesessen.
Das widerrum bringt mich zu W. in der letzten Woche. Er ist 72 und bat 3 Tage lang darum, dass man ihm doch bitte den Kopf waschen würde, da das Desinfektionsmittel so stinkt und es auch juckte...wir wuschen ihm dann die Haare als wir ihn nach Hause geholt hatten.
Denn die Schwestern hatten keine Zeit. Waren wohl (leider) mit dem abarbeiten zuständig.
Okay, sie ist Mutter - sie war Krankenschwester.
Nebenbei arbeitet sie im Direktvertrieb für eine Firma.
Gestern fragte ich sie, ob ihr der Job fehlen würde, den sie einmal gelernt hat.
Sie dachte einen Moment nach und sagte dann folgendes zu mir.
"Wenn ich schon Sachen abarbeiten muss um mit dem geringsten Aufwand viel zu verdienen, dann arbeite ich lieber Produkte ab, als Menschen."
Wir unterhielten uns noch eine Weile über die Zustände in Krankenhäusern und ich erzählte ihr von meiner Erfahrung, als ich am 2. Tag nach meiner Operation früh um halb 6 klingelte und die Schwester darum bat, mich zur Toilette zu begleiten..."wir machen erst die Übergabe und dann kommt jemand" war die Antwort - aus der Gegensprechanlage. 20 Minuten später klingelte ich erneut - mittlerweile war ich kurz vor dem weinen. Endlich kam jemand...und ich erklärte dem Arzt und allen Schwestern bei der Visite, dass ich das ihnen allen wünschen würde, dass ihnen einmal im Leben dieselbe unwürdige Behandlung widerfahren würde.
Hätte ich es nicht ausgehalten, hätte ich wohl eine halbe Stunde in meiner eigenen Scheiße gesessen.
Das widerrum bringt mich zu W. in der letzten Woche. Er ist 72 und bat 3 Tage lang darum, dass man ihm doch bitte den Kopf waschen würde, da das Desinfektionsmittel so stinkt und es auch juckte...wir wuschen ihm dann die Haare als wir ihn nach Hause geholt hatten.
Denn die Schwestern hatten keine Zeit. Waren wohl (leider) mit dem abarbeiten zuständig.
frau vom meer | 0 Wellen | Kommentieren
Dienstag, 22. April 2008
Kurzes Zwischenspiel
Dienstag, 22. April 2008
Ich möchte nicht darüber schreiben was in den letzten Tagen alles passiert ist. Es war einfach furchtbar - aber auch das haben wir überstanden.
4-6 Wochen, vielleicht 2 Monate lautete die Diagnose beim Arztgespräch, welches ich dann mit diesem unter 4 Augen führte.
Der Patient wurde im Namen der Hoffnung "belogen", nicht wirklich aufgeklärt.
Es werden harte Wochen. Für uns alle!
Aber ich möchte nicht darüber schreiben, nicht jetzt.
Heute morgen hatte ich eine Kundin, die mir über den zweiten Weltkrieg und den Sirenen erzählte. Jeden Mittwoch wenn Sirenenkontrolle ist, zuckt sie zusammen und wird wieder erinnert. Muss man das den Menschen wirklich antun?
Ich bin krank. Wieder. Das letzte mal ist gerade 3 Wochen her.
Es liegt an dem Stress. An dem nicht ausruhen.
Ich bin ausgesaugt. Wie ein Wassereis, aus dem man den Fruchtsaft auslutscht. Das was übrig bleibt kann man nur wegwerfen.
Aber ich werfe mich nicht weg. Lade mich jede Nacht auf, und versuche über den Tag zu kommen.
Wir haben ein Übereinkommen geschlossen. Der Mann auf meinem Sofa und ich.
Bis Januar 2008 keine neuen Projekte mehr. Aber wahrscheinlich sind wir bis Dezember 2009 mit den alten Projekten beschäftigt.
Nein im Ernst, ich hoffe, dass wir mit den ganzen Aufgaben bis Ende diesen Jahres fertig werden. Ich brauch dringend ein Jahr Ruhe.
Ich möchte nur eine Entscheidung am Wochenende treffen müssen...drehe ich mich nach links, oder nach rechts?
Den Druck möchte ich loswerden.
Vielleicht später...in ein paar Monaten.
Dezember klingt toll.
4-6 Wochen, vielleicht 2 Monate lautete die Diagnose beim Arztgespräch, welches ich dann mit diesem unter 4 Augen führte.
Der Patient wurde im Namen der Hoffnung "belogen", nicht wirklich aufgeklärt.
Es werden harte Wochen. Für uns alle!
Aber ich möchte nicht darüber schreiben, nicht jetzt.
Heute morgen hatte ich eine Kundin, die mir über den zweiten Weltkrieg und den Sirenen erzählte. Jeden Mittwoch wenn Sirenenkontrolle ist, zuckt sie zusammen und wird wieder erinnert. Muss man das den Menschen wirklich antun?
Ich bin krank. Wieder. Das letzte mal ist gerade 3 Wochen her.
Es liegt an dem Stress. An dem nicht ausruhen.
Ich bin ausgesaugt. Wie ein Wassereis, aus dem man den Fruchtsaft auslutscht. Das was übrig bleibt kann man nur wegwerfen.
Aber ich werfe mich nicht weg. Lade mich jede Nacht auf, und versuche über den Tag zu kommen.
Wir haben ein Übereinkommen geschlossen. Der Mann auf meinem Sofa und ich.
Bis Januar 2008 keine neuen Projekte mehr. Aber wahrscheinlich sind wir bis Dezember 2009 mit den alten Projekten beschäftigt.
Nein im Ernst, ich hoffe, dass wir mit den ganzen Aufgaben bis Ende diesen Jahres fertig werden. Ich brauch dringend ein Jahr Ruhe.
Ich möchte nur eine Entscheidung am Wochenende treffen müssen...drehe ich mich nach links, oder nach rechts?
Den Druck möchte ich loswerden.
Vielleicht später...in ein paar Monaten.
Dezember klingt toll.
frau vom meer | 0 Wellen | Kommentieren
Donnerstag, 10. April 2008
Wenn dir ein Fremder ganz nah ist
Donnerstag, 10. April 2008
Ich habe mit einigen Menschen in meinem Umfeld gesprochen über das Thema "Hoffnung oder Realtität" und in mir drin war alles ganz aufgewühlt.
Mich beschlich die Angst vor dem Treffen morgen mit G.
Wie soll ich mich ihr gegenüber verhalten? Ich möchte sie nicht verletzen, nicht unnötig quälen und doch mir selbst treu sein und nicht lügen. Denn auch gut gemachte Lügen werden erkannt.
Innerlich zerriss es mich und ich wusste nicht, was ich tun sollte.
Da erinnerte ich mich an diese eine Fremde, die mir damals das Leben gerettet hatte.
Ich bin ihr dankbar - bis heute noch - und denke immer wieder an dieses Gespräch.
Also rief ich sie wieder an...diese Fremde, eine namenlose Stimme ohne Verpflichtung, ohne Zwänge, ohne Lügen.
0800 - 111 0 111
Telefonseelsorge klingt immer so ... ja so ... merkwürdig halt.
Wir unterhielten uns fast 70 Minuten lang. Ein unglaubliches Gespräch, was mir für unseren weiteren Weg immer wieder Hilfe sein wird.
Es ist so schwer, wenn man jemanden Helfen möchte und (denkt) den richtigen Weg zu kennen - aber der andere anders denkt.
Man möchte ihn dann schütteln und sagen "siehst du denn nicht, dass das andere Richtiger wäre?"
Ich habe heute etwas lernen dürfen.
Dass ich Fragen stellen soll. Eben um mir selbst auch treu zu bleiben. "Glaubst du dass das die richtige Entscheidung ist", "Was wäre wenn es nicht gut würde", "Kannst du dir vorstellen, dass..."
Meine Fragen können zum einen sagen was ich denke, indirekt, und auf der anderen Seite werden sie die beiden zum nachdenken anregen.
Die wichtigste Frage wird sich ihnen in den nächsten Tagen stellen...Chemotherapie oder nicht. Ich hoffe, dass sie die richtige Entscheidung treffen. Ich meine die richtige Entscheidung, die ich für richtig halte...ob es für sie die richtige sein wird, können nur die beiden wissen.
Ich habe gelernt, dass ich niemandem meine Meinung "aufzwingen" darf, sondern dass ich ihre respektierne muss - und doch auch immer wieder andere Fragen stellen soll, um auch über die Dinge zu sprechen, die sie gerade verdrängen (wollen).
Ich wünsche mir, dass sie sich gegen die Chemotherapie entscheiden und noch so viele schöne Sachen und Momente erleben, wie ihnen vergönnt sind...ohne die Hektik des ärztlichen Terminkalenders, trügerischer Hoffnung, die unrealistisch ist, ohne Übelkeit, erbrechen und all den anderen Nebenwirkungen der Chemotherapie.
Und das ist meine Aufgabe...denk ich. Eben auch die unangenehmen Dinge zu sagen. "Glaubst du, dass es sinnvoll ist?"
Ich denke allein diese Frage wird Antwort genug sein.
Egal wie sie sich auch entscheiden werden. Das Unvermeidliche wird geschehen. W. wird sterben. Und sie sind nicht dumm...im Moment haben sie einfach nur Hoffnung.
Vor dem Telefonat dachte ich, dass ich so weit weg stehe und so rational bin...aber das bin ich nicht, sagte sie mir - diese Fremde am Telefon. Seitdem stehen mir die Tränen in den Augen.
Sie hat mir geholfen ein Stück weit meine Position zu finden in diesem "Stück".
Dass ich eines kann, Kraft haben und ihnen zur Seite zu stehen. Wie auch immer ihre Entscheidung aussehen wird.
Ich habe heute lernen dürfen, dass die Menschen sehr unterschiedlich sind. Dass es Menschen gibt, die Realität brauchen und dass es Menschen gibt, für die die Hoffnung sehr wichtig ist.
Wahrscheinlich würde ich mit der Realität besser umgehen können.
Was ich hier schreibe sind keine neuen Erkenntnisse, nur manchmal macht uns (und auch mich) der Wunsch jemanden anderen helfen zu wollen einfach blind.
Wir sehen dann nicht mehr seine Bedürfnisse und Ängste, sondern nur noch die Lösung und den Weg dorthin und versuchen mit allen Mitteln, dem anderen diese einzige Wahrheit überzustülpen.
Mich hat dieses Telefonat heute ein wenig demütig gemacht. Vor der Menschlichkeit, vor dem Menschsein, vor dem anderen.
Hier vor mir liegt eine Karteikarte, die ich G. geben möchte. Dort habe ich aufgeschrieben: "Menschen, die zuhören und auch Ratschläge erteilen wenn du nicht mehr weiter weisst! 0800-1110111 oder 0800-1110222
Ich bin eben nicht diejenige die auf alles eine passende Antwort hat und auch das sagen kann, was der andere in genau diesem Moment braucht. Aber vielleicht kann ihr auch so ein namenloses Gesicht, mit einer weichen fremden Stimme in irgendeinem Augenblick helfen.
Ich bin ihr sehr dankbar, meiner Stimme von vorhin.
Vor allem dafür, dass sie mir meine innere Ruhe wieder gegeben hat. Und auch die Kraft, um G. und W. eine Stütze zu sein.
Das Schönste ist aber auch das Wissen, dass es immer eine dieser Stimmen gibt, die mit mir reden werden wenn ich sie brauche.
Egal zu welcher Zeit!
Mich beschlich die Angst vor dem Treffen morgen mit G.
Wie soll ich mich ihr gegenüber verhalten? Ich möchte sie nicht verletzen, nicht unnötig quälen und doch mir selbst treu sein und nicht lügen. Denn auch gut gemachte Lügen werden erkannt.
Innerlich zerriss es mich und ich wusste nicht, was ich tun sollte.
Da erinnerte ich mich an diese eine Fremde, die mir damals das Leben gerettet hatte.
Ich bin ihr dankbar - bis heute noch - und denke immer wieder an dieses Gespräch.
Also rief ich sie wieder an...diese Fremde, eine namenlose Stimme ohne Verpflichtung, ohne Zwänge, ohne Lügen.
0800 - 111 0 111
Telefonseelsorge klingt immer so ... ja so ... merkwürdig halt.
Wir unterhielten uns fast 70 Minuten lang. Ein unglaubliches Gespräch, was mir für unseren weiteren Weg immer wieder Hilfe sein wird.
Es ist so schwer, wenn man jemanden Helfen möchte und (denkt) den richtigen Weg zu kennen - aber der andere anders denkt.
Man möchte ihn dann schütteln und sagen "siehst du denn nicht, dass das andere Richtiger wäre?"
Ich habe heute etwas lernen dürfen.
Dass ich Fragen stellen soll. Eben um mir selbst auch treu zu bleiben. "Glaubst du dass das die richtige Entscheidung ist", "Was wäre wenn es nicht gut würde", "Kannst du dir vorstellen, dass..."
Meine Fragen können zum einen sagen was ich denke, indirekt, und auf der anderen Seite werden sie die beiden zum nachdenken anregen.
Die wichtigste Frage wird sich ihnen in den nächsten Tagen stellen...Chemotherapie oder nicht. Ich hoffe, dass sie die richtige Entscheidung treffen. Ich meine die richtige Entscheidung, die ich für richtig halte...ob es für sie die richtige sein wird, können nur die beiden wissen.
Ich habe gelernt, dass ich niemandem meine Meinung "aufzwingen" darf, sondern dass ich ihre respektierne muss - und doch auch immer wieder andere Fragen stellen soll, um auch über die Dinge zu sprechen, die sie gerade verdrängen (wollen).
Ich wünsche mir, dass sie sich gegen die Chemotherapie entscheiden und noch so viele schöne Sachen und Momente erleben, wie ihnen vergönnt sind...ohne die Hektik des ärztlichen Terminkalenders, trügerischer Hoffnung, die unrealistisch ist, ohne Übelkeit, erbrechen und all den anderen Nebenwirkungen der Chemotherapie.
Und das ist meine Aufgabe...denk ich. Eben auch die unangenehmen Dinge zu sagen. "Glaubst du, dass es sinnvoll ist?"
Ich denke allein diese Frage wird Antwort genug sein.
Egal wie sie sich auch entscheiden werden. Das Unvermeidliche wird geschehen. W. wird sterben. Und sie sind nicht dumm...im Moment haben sie einfach nur Hoffnung.
Vor dem Telefonat dachte ich, dass ich so weit weg stehe und so rational bin...aber das bin ich nicht, sagte sie mir - diese Fremde am Telefon. Seitdem stehen mir die Tränen in den Augen.
Sie hat mir geholfen ein Stück weit meine Position zu finden in diesem "Stück".
Dass ich eines kann, Kraft haben und ihnen zur Seite zu stehen. Wie auch immer ihre Entscheidung aussehen wird.
Ich habe heute lernen dürfen, dass die Menschen sehr unterschiedlich sind. Dass es Menschen gibt, die Realität brauchen und dass es Menschen gibt, für die die Hoffnung sehr wichtig ist.
Wahrscheinlich würde ich mit der Realität besser umgehen können.
Was ich hier schreibe sind keine neuen Erkenntnisse, nur manchmal macht uns (und auch mich) der Wunsch jemanden anderen helfen zu wollen einfach blind.
Wir sehen dann nicht mehr seine Bedürfnisse und Ängste, sondern nur noch die Lösung und den Weg dorthin und versuchen mit allen Mitteln, dem anderen diese einzige Wahrheit überzustülpen.
Mich hat dieses Telefonat heute ein wenig demütig gemacht. Vor der Menschlichkeit, vor dem Menschsein, vor dem anderen.
Hier vor mir liegt eine Karteikarte, die ich G. geben möchte. Dort habe ich aufgeschrieben: "Menschen, die zuhören und auch Ratschläge erteilen wenn du nicht mehr weiter weisst! 0800-1110111 oder 0800-1110222
Ich bin eben nicht diejenige die auf alles eine passende Antwort hat und auch das sagen kann, was der andere in genau diesem Moment braucht. Aber vielleicht kann ihr auch so ein namenloses Gesicht, mit einer weichen fremden Stimme in irgendeinem Augenblick helfen.
Ich bin ihr sehr dankbar, meiner Stimme von vorhin.
Vor allem dafür, dass sie mir meine innere Ruhe wieder gegeben hat. Und auch die Kraft, um G. und W. eine Stütze zu sein.
Das Schönste ist aber auch das Wissen, dass es immer eine dieser Stimmen gibt, die mit mir reden werden wenn ich sie brauche.
Egal zu welcher Zeit!
frau vom meer | 0 Wellen | Kommentieren
Mittwoch, 9. April 2008
Er wird sterben
Mittwoch, 09. April 2008
Das hört sich so einfach an...irgendwie ganz weit weg.
Innerlich in mir ist alles so leer. Ich bin schon traurig - so irgendwie, zumindest sagt mir das mein Verstand - aber es ist noch nicht im Herzen angekommen.
Momentan denke ich rein logisch und rational.
Überlege mir, wann wir an unserem Ausbau arbeiten.
Dann habe ich heute im Internet recherchiert und mich über Gehirntumore belesen. Über die, die nicht mehr operiert werden - weiß jetzt auch, dass schmetterlingsförmig bedeutet, dass er sich nach beiden Seiten ausbreitet...oder so ähnlich.
Aber das ist egal.
Und dann habe ich davon gelesen, dass eine Zellverdopplung innerhalb von 10 Tagen erfolgen kann. Das es im Gehirn keinen Druckausgleich gibt.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, an denen er sterben könnte. Vielleicht ein Überdruck, eine Einblutung - Tod. Vielleicht eine Beeinträchtigung des Sprachzentrums, Atemstillstand - Tod...und, und, und.
Aber es wird der Verlust des Sprachschatzes kommen, das Suchen nach Wörtern, der Kontrollverlust um seine Gliedmaßen, Inkontinenz, Schließmuskelkontrollverlust, Atembeschwerden, Verwirrtheit, Lähmungen...
Und das alles innerhalb der nächsten wenigen Wochen. Vielleicht Monate - wenn er Glück hat...innerhalb der nächsten Wochen, wenn wir Glück haben.
Zumindest sage ich das jetzt. Ich weiß, dass es hart klingt, aber wie schon beschrieben. Momentan bin ich rational. Ich denke an seine Lebensgefährtin, die Kraft, die sie aufbringen muss während er langsam (oder schnell) wieder zum Kind wird. Und ich denke an uns. An die Menschen die ihn lieben und die zusehen werden müssen, wenn ... so hoffe ich für ihn ... er im Dämmerzustand nicht mehr so viel mitbekommt.
Wir werden sein Leiden sehen, seine Schmerzen, werden die Tränen weinen, die um ihn vergossen werden aber auch die heimliche Hoffnung die niemand wird auszusprechen wagen, dass es endlich dann vorbei sein soll.
Unterhalb der Woche werde ich einmal hinfahren um den beiden das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind. 150 Kilometer hin, und am nächsten Morgen 150 Kilometer wieder zurück. Jedes zweite Wochenende werden wir dann zu zweit hinfahren und so lange es geht auch noch die schönen Dinge mit ihnen erleben wollen.
Ein befreundeter Arzt meinte heute, dass die Hoffnung niemals gehen sollte. Auch wenn alle wissen, dass er sterben wird...
Vielleicht können wir ihm diese Hoffnung geben? Ich weiß einfach nicht, was das Richtige ist.
Ich glaube, ich würde die Wahrheit wissen und leben wollen.
Aber was möchte er? Wie wird er damit umgehen können?
Wir werden darauf bestehen, dass er starke Antidepressiva bekommt. Soll er noch ein paar rosa Elefanten sehen - das ist egal. Gebt ihm Endorphine...egal ob er davon abhängig wird.
Es würde nichts daran ändern. Er bräuchte keinen Entzug mehr.
Ich habe keine Angst vor der kommenden Zeit. Der Mann auf meinem Sofa schrieb mir heute in einer Mail, dass ich eine tolle Frau bin, weil ich mich kümmere. Meine Mutter hält mich für verrückt, warum ich die Probleme anderer zu meinen werden lasse...schließlich ist es ja "nur" der Partner einer Tante mütterlicherseits meines angetrauten Mannes auf dem Sofa.
Darüber war ich wütend. Sehr wütend. Denn es IST mein "Problem".
Es geht nämlich um Menschen die ich liebe.
"Und wenn wir mal Hilfe brauchen sollten, wer kümmert sich dann um uns?"
"Ich hoffe, dass du noch viele Jahre leben wirst ohne Hilfe zu brauchen...und wenn es dann doch so weit ist, würden wir auch euch helfen so gut wir es können."
Wem das was wir in dem jeweiligen Moment geben können oder geben wollen nicht genug ist, der soll sich zum Teufel scheren.
Oder einfach ablehnen.
Aber fordern, ohne Rücksicht auf die jeweilige momentane Situation, über ein Geschehen was irgendwann mal eintreten könnte, zu einem Zeitpunkt den niemand weiß....das ist widerlich.
Traurig, das sagen zu müssen...aber so sehe ich das. Da spielt es keine Rolle, dass die Empfängerin meiner Botschaft meine Mutter ist.
Innerlich in mir ist alles so leer. Ich bin schon traurig - so irgendwie, zumindest sagt mir das mein Verstand - aber es ist noch nicht im Herzen angekommen.
Momentan denke ich rein logisch und rational.
Überlege mir, wann wir an unserem Ausbau arbeiten.
Dann habe ich heute im Internet recherchiert und mich über Gehirntumore belesen. Über die, die nicht mehr operiert werden - weiß jetzt auch, dass schmetterlingsförmig bedeutet, dass er sich nach beiden Seiten ausbreitet...oder so ähnlich.
Aber das ist egal.
Und dann habe ich davon gelesen, dass eine Zellverdopplung innerhalb von 10 Tagen erfolgen kann. Das es im Gehirn keinen Druckausgleich gibt.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, an denen er sterben könnte. Vielleicht ein Überdruck, eine Einblutung - Tod. Vielleicht eine Beeinträchtigung des Sprachzentrums, Atemstillstand - Tod...und, und, und.
Aber es wird der Verlust des Sprachschatzes kommen, das Suchen nach Wörtern, der Kontrollverlust um seine Gliedmaßen, Inkontinenz, Schließmuskelkontrollverlust, Atembeschwerden, Verwirrtheit, Lähmungen...
Und das alles innerhalb der nächsten wenigen Wochen. Vielleicht Monate - wenn er Glück hat...innerhalb der nächsten Wochen, wenn wir Glück haben.
Zumindest sage ich das jetzt. Ich weiß, dass es hart klingt, aber wie schon beschrieben. Momentan bin ich rational. Ich denke an seine Lebensgefährtin, die Kraft, die sie aufbringen muss während er langsam (oder schnell) wieder zum Kind wird. Und ich denke an uns. An die Menschen die ihn lieben und die zusehen werden müssen, wenn ... so hoffe ich für ihn ... er im Dämmerzustand nicht mehr so viel mitbekommt.
Wir werden sein Leiden sehen, seine Schmerzen, werden die Tränen weinen, die um ihn vergossen werden aber auch die heimliche Hoffnung die niemand wird auszusprechen wagen, dass es endlich dann vorbei sein soll.
Unterhalb der Woche werde ich einmal hinfahren um den beiden das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind. 150 Kilometer hin, und am nächsten Morgen 150 Kilometer wieder zurück. Jedes zweite Wochenende werden wir dann zu zweit hinfahren und so lange es geht auch noch die schönen Dinge mit ihnen erleben wollen.
Ein befreundeter Arzt meinte heute, dass die Hoffnung niemals gehen sollte. Auch wenn alle wissen, dass er sterben wird...
Vielleicht können wir ihm diese Hoffnung geben? Ich weiß einfach nicht, was das Richtige ist.
Ich glaube, ich würde die Wahrheit wissen und leben wollen.
Aber was möchte er? Wie wird er damit umgehen können?
Wir werden darauf bestehen, dass er starke Antidepressiva bekommt. Soll er noch ein paar rosa Elefanten sehen - das ist egal. Gebt ihm Endorphine...egal ob er davon abhängig wird.
Es würde nichts daran ändern. Er bräuchte keinen Entzug mehr.
Ich habe keine Angst vor der kommenden Zeit. Der Mann auf meinem Sofa schrieb mir heute in einer Mail, dass ich eine tolle Frau bin, weil ich mich kümmere. Meine Mutter hält mich für verrückt, warum ich die Probleme anderer zu meinen werden lasse...schließlich ist es ja "nur" der Partner einer Tante mütterlicherseits meines angetrauten Mannes auf dem Sofa.
Darüber war ich wütend. Sehr wütend. Denn es IST mein "Problem".
Es geht nämlich um Menschen die ich liebe.
"Und wenn wir mal Hilfe brauchen sollten, wer kümmert sich dann um uns?"
"Ich hoffe, dass du noch viele Jahre leben wirst ohne Hilfe zu brauchen...und wenn es dann doch so weit ist, würden wir auch euch helfen so gut wir es können."
Wem das was wir in dem jeweiligen Moment geben können oder geben wollen nicht genug ist, der soll sich zum Teufel scheren.
Oder einfach ablehnen.
Aber fordern, ohne Rücksicht auf die jeweilige momentane Situation, über ein Geschehen was irgendwann mal eintreten könnte, zu einem Zeitpunkt den niemand weiß....das ist widerlich.
Traurig, das sagen zu müssen...aber so sehe ich das. Da spielt es keine Rolle, dass die Empfängerin meiner Botschaft meine Mutter ist.
frau vom meer | 0 Wellen | Kommentieren
Dienstag, 8. April 2008
Es gibt Dinge
Dienstag, 08. April 2008
Es gibt Dinge, die sind unbeschreiblich und machen dich sprachlos. Momente, die du wohl nie wieder vergessen wirst. Immer wieder wirst du dich an genau diesen einen Augenblick erinnern, in dem alles anders wurde...
Er ist toll, unglaublich kindisch, verrückt, verspielt, so voller Elan. Er bringt mich immer wieder zum lachen und legt seine Liebe, die er als Vater seiner Tochter nicht geben darf weil sie es nicht zulässt in meine Hände.
Als ich ihn kennen lernte, hatte er es schon überstanden. Immer wieder leuchteten seine Augen - mal ein bisschen feucht, mal von dem Lächeln was in ihnen wohnt.
Im Dezember sagte er mir, dass seine Werte nicht gefallen sind - sie sind sehr hoch. Aber ich baute ihn auf und versuchte ihm ein bisschen Kraft zu schenken.
Im Januar wurde er operiert, als er nach Hause kam, fing er an sein Bein nachzuziehen, sein Kurzzeitgedächtnis wurde immer schlechter.
Seine Lebensgefährtin ist mir wie eine Mama, sie saß bei mir und ließ sich von mir verwöhnen mit einer Fußpflege, als sie mir erzählte, dass sie das alles nicht versteht. Warum er, warum jetzt, wohin soll das noch führen?
Ich begriff sie zwar, aber ich konnte sie nicht verstehen. Meine Jugend schützte mich in dem Moment, und so konnte ich sagen, was man von meiner Position heraus sieht. "Er ist 72, was erwartest du denn?"
Ihre Wünsche, ihre Hoffnungen "jetzt erst richtig anzufangen und ihren Hobbys nachzugehen und so" zeigten mir etwas, womit sie sich niemals auseinandergesetzt hatten. Alt zu sein.
Ja, die Augen sind nicht mehr so gut, ja, man kann nicht mehr so gut laufen, ja, man muss öfter zum Arzt...aber wirklich krank sein? Alt zu sein? Das Ende zu sehen?
Das können sie nicht, diese beiden so unglaublich liebenswerten Menschen. Ich betrachte es abgeklärt, eben "logisch".
Sie verstehen irgendwie gerade die Welt nicht mehr.
Ihre kleine Idylle aus Sonntagsbraten, Zeitung austragen und QVC zerfällt in alle ihre Bestandteile.
"Er hat wohl einen Schlaganfall gehabt", meinte der Arzt.
"Schlägel", so nannten sie es schwäbisch niedlich.
Der Neurologe nennt es jetzt anders. Spricht vom Schmetterlingsförmigen Tumor im vorderen Gehirn.
Heute ist er ins Krankenhaus gekommen. Ein 72 jähriges verängstigtes Kind, welches nicht weiß was mit ihm passiert. An seiner Seite ist sie, die, die so wunderbare Kuchen immer backt. Sie ist 65 und noch so gar nicht alt.
Als die Prostata damals operiert wurde, fragte er sich, warum er.
Heute fragt er sich wieder.
Als ich gestern mit einer Freundin telefoniert hatte, sagte sie mir diese Dinge, die ich wohl nie vergessen werde.
Sie sprach von Streutumoren, die sich im Gehirn und in der Leber, den Nieren festsetzen. Und sie erzählte von ihrem Vater, der damals daran starb.
"Wie lange?", fragte ich sie.
"Den Tumor im Kopf hatten sie damals Ende Januar festgestellt. Gestorben ist er im Mai...endlich."
Ich möchte gern sagen, dass man die Menschen nicht vergleichen kann. Aber sie weiß wovon sie spricht. Sie arbeitet im Labor, hat lange Zeit in der Krebsforschung mitgewirkt.
Ich denke an diese beiden Menschen, die uns so sehr ans Herz gewachsen sind und die gerade jetzt im Krankenhaus sind und auf die Punktion warten.
Und ich denke daran, dass wir unseren Ausbau schneller fertig stellen sollten. Denn damals hatte ich auch darüber mit ihr gesprochen...dass sie immer hier bei uns einen Platz haben wird, wenn er irgendwann einmal sterben sollte.
Ihre Sachen stehen in ihrer neuen Wohnung. Sie sind beide gerade nochmal umgezogen. Wegen der Treppenstufen in ihrem alten Haus. Wollten jetzt nochmal so richtig neu anfangen und mit Bekannten viel unternehmen.
Alles ist noch verpackt. Irgendwie in Umzugskartons.
Und irgendwie ist grad alles surreal. Denn er ist doch nicht alt...nicht mit 72...sagen sie.
Da stehe dann ich wieder und sehe diese grausame Wahrheit vom sicheren Standpunkt der Jugend aus.
Sie tun mir leid. Diese beiden wundervollen Menschen.
Und ich hoffe, dass ich die richtigen Worte finden werde. Nicht ganz so brutal und ehrlich. Aber auch nicht verlogen und illusorisch.
Wieviel Hoffnung machen ist gesund?
Er ist toll, unglaublich kindisch, verrückt, verspielt, so voller Elan. Er bringt mich immer wieder zum lachen und legt seine Liebe, die er als Vater seiner Tochter nicht geben darf weil sie es nicht zulässt in meine Hände.
Als ich ihn kennen lernte, hatte er es schon überstanden. Immer wieder leuchteten seine Augen - mal ein bisschen feucht, mal von dem Lächeln was in ihnen wohnt.
Im Dezember sagte er mir, dass seine Werte nicht gefallen sind - sie sind sehr hoch. Aber ich baute ihn auf und versuchte ihm ein bisschen Kraft zu schenken.
Im Januar wurde er operiert, als er nach Hause kam, fing er an sein Bein nachzuziehen, sein Kurzzeitgedächtnis wurde immer schlechter.
Seine Lebensgefährtin ist mir wie eine Mama, sie saß bei mir und ließ sich von mir verwöhnen mit einer Fußpflege, als sie mir erzählte, dass sie das alles nicht versteht. Warum er, warum jetzt, wohin soll das noch führen?
Ich begriff sie zwar, aber ich konnte sie nicht verstehen. Meine Jugend schützte mich in dem Moment, und so konnte ich sagen, was man von meiner Position heraus sieht. "Er ist 72, was erwartest du denn?"
Ihre Wünsche, ihre Hoffnungen "jetzt erst richtig anzufangen und ihren Hobbys nachzugehen und so" zeigten mir etwas, womit sie sich niemals auseinandergesetzt hatten. Alt zu sein.
Ja, die Augen sind nicht mehr so gut, ja, man kann nicht mehr so gut laufen, ja, man muss öfter zum Arzt...aber wirklich krank sein? Alt zu sein? Das Ende zu sehen?
Das können sie nicht, diese beiden so unglaublich liebenswerten Menschen. Ich betrachte es abgeklärt, eben "logisch".
Sie verstehen irgendwie gerade die Welt nicht mehr.
Ihre kleine Idylle aus Sonntagsbraten, Zeitung austragen und QVC zerfällt in alle ihre Bestandteile.
"Er hat wohl einen Schlaganfall gehabt", meinte der Arzt.
"Schlägel", so nannten sie es schwäbisch niedlich.
Der Neurologe nennt es jetzt anders. Spricht vom Schmetterlingsförmigen Tumor im vorderen Gehirn.
Heute ist er ins Krankenhaus gekommen. Ein 72 jähriges verängstigtes Kind, welches nicht weiß was mit ihm passiert. An seiner Seite ist sie, die, die so wunderbare Kuchen immer backt. Sie ist 65 und noch so gar nicht alt.
Als die Prostata damals operiert wurde, fragte er sich, warum er.
Heute fragt er sich wieder.
Als ich gestern mit einer Freundin telefoniert hatte, sagte sie mir diese Dinge, die ich wohl nie vergessen werde.
Sie sprach von Streutumoren, die sich im Gehirn und in der Leber, den Nieren festsetzen. Und sie erzählte von ihrem Vater, der damals daran starb.
"Wie lange?", fragte ich sie.
"Den Tumor im Kopf hatten sie damals Ende Januar festgestellt. Gestorben ist er im Mai...endlich."
Ich möchte gern sagen, dass man die Menschen nicht vergleichen kann. Aber sie weiß wovon sie spricht. Sie arbeitet im Labor, hat lange Zeit in der Krebsforschung mitgewirkt.
Ich denke an diese beiden Menschen, die uns so sehr ans Herz gewachsen sind und die gerade jetzt im Krankenhaus sind und auf die Punktion warten.
Und ich denke daran, dass wir unseren Ausbau schneller fertig stellen sollten. Denn damals hatte ich auch darüber mit ihr gesprochen...dass sie immer hier bei uns einen Platz haben wird, wenn er irgendwann einmal sterben sollte.
Ihre Sachen stehen in ihrer neuen Wohnung. Sie sind beide gerade nochmal umgezogen. Wegen der Treppenstufen in ihrem alten Haus. Wollten jetzt nochmal so richtig neu anfangen und mit Bekannten viel unternehmen.
Alles ist noch verpackt. Irgendwie in Umzugskartons.
Und irgendwie ist grad alles surreal. Denn er ist doch nicht alt...nicht mit 72...sagen sie.
Da stehe dann ich wieder und sehe diese grausame Wahrheit vom sicheren Standpunkt der Jugend aus.
Sie tun mir leid. Diese beiden wundervollen Menschen.
Und ich hoffe, dass ich die richtigen Worte finden werde. Nicht ganz so brutal und ehrlich. Aber auch nicht verlogen und illusorisch.
Wieviel Hoffnung machen ist gesund?
frau vom meer | 0 Wellen | Kommentieren
Donnerstag, 3. April 2008
Verspätungen
Donnerstag, 03. April 2008
Kleine Italiener sind zuweilen sehr hitzig...und brauchen ihre Zeit.
Unser Familienmitglied ist noch nicht eingezogen. Diverse Schönheitsmängel und Lackschäden haben ihn noch zu einer Kur fahren lassen. Heute dürfen wir ihn endlich nach Hause holen. Natürlich nicht ohne diverse Zusatzausstattungen, die uns das Warten auf den kleinen Großen versüßt haben...getönte Fensterscheiben, Kofferraumwanne, Kuschelbär.
Der Mann auf meinem Sofa hat sich übrigens verliebt. In einen Elefanten! Ja, ich weiß, bisweilen kann mein Hintern mit denen durchaus in Konkurrenz treten, aber diese Begegnung der Beiden scheint wohl eine Liason von längerer Dauer zu werden...so an die nächsten 10 Jahre bestimmt.
Die Dame kommt aus dem Hause Lancia, trägt den Zweitnamen Ypsilon und wird liebevoll Elefantino genannt. Ihr zauberhafter Augenaufschlag wird nur noch durch den weißen Lack und die Alubereifung übertrumpft.
Der Einzug eben dieser Dame und dem kleinen Großen Herren Paul (Paul ist ein toller Name für dieses kugelige Raumwunder) wird gleich Ehre getan.
In wohl so ungefähr 60 Minuten übernehmen wir die Verantwortung für diese Schönheiten.
Apropo Schönheiten.
Wie schon beschrieben, leben in unserer Familie auch zwei Fellnasen...eben die heiße Alpdame und der heißblütige Grieche.
Diese beiden haben ebenfalls neue Mitbewohner bekommen.
Es begann alles in einem Baumarkt, als der Frau vom Meer neben dem Hundefutter der Sack "Kitkat" ins Auge fiel...und von eben diesen die Schuppen auf den Fußbodenbelag des "wer, wie, wo, weiß...piep"-Marktes fielen, da der Frau vom Meer ein Gedankesblitz ins Hirn schoss.
"Sag mal Schaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhaaaatz, wollen wir uns eine Katze anschaffen?" Klimper, klimper, klimper...denn klimpern kann die Frau vom Meer wie keine andere. In den Momenten verhexen die Dunklen Wimpern, mit blauen Augenblitzen das Angesicht und den Verstand des Mannes auf ihrem Sofa, so dass es da keine andere Möglichkeit als "na, wenn du willst" gibt.
Gesagt, getan - Anruf im Tierheim, Fahrt zum Tierheim, angeschaut, gezweifelt, wieder angeschaut, immer noch gezweifelt, Katzen gezittert, Zweifel schmolzen im Sonnenlicht, Katzen gekrault, zweifeln aufgehört, Katzen (ja, die Frau vom Meer irrt sich nicht - aus Katze wurde durch das kleine Buchstabelchen n eine Doppelbesetzung) in die Körbchen gesetzt, unterschrieben, ins Auto gesetzt, heimwärts zum Sofa gefahren...
Frau vom Meer während der Autofahrt - so ca. 120 Minuten nach dem Gedankesblitz im Baumarkt ihres Vertrauens - zu ihrem Mann auf ihrem Sofa...Sag mal Schaaahaaatz....haben wir eigentlich eine Macke?
Mann auf ihrem Sofa zeigt das kleinere LiptonIceteezeichen und sagt: "Aber keine Kleine."
So zogen sie also bei uns ein - Dolce und Gabana. Namenspatin war das Tierheim - wir sind unschuldig - ehrlich!
Aber so sehen sie auch aus, edel, golden, exklusiv...passend zu unserer Familie.
Wie es nun aber zu dem weiteren Familienmitglied kam erzählt das Meer ein ander Mal.
Unser Familienmitglied ist noch nicht eingezogen. Diverse Schönheitsmängel und Lackschäden haben ihn noch zu einer Kur fahren lassen. Heute dürfen wir ihn endlich nach Hause holen. Natürlich nicht ohne diverse Zusatzausstattungen, die uns das Warten auf den kleinen Großen versüßt haben...getönte Fensterscheiben, Kofferraumwanne, Kuschelbär.
Der Mann auf meinem Sofa hat sich übrigens verliebt. In einen Elefanten! Ja, ich weiß, bisweilen kann mein Hintern mit denen durchaus in Konkurrenz treten, aber diese Begegnung der Beiden scheint wohl eine Liason von längerer Dauer zu werden...so an die nächsten 10 Jahre bestimmt.
Die Dame kommt aus dem Hause Lancia, trägt den Zweitnamen Ypsilon und wird liebevoll Elefantino genannt. Ihr zauberhafter Augenaufschlag wird nur noch durch den weißen Lack und die Alubereifung übertrumpft.
Der Einzug eben dieser Dame und dem kleinen Großen Herren Paul (Paul ist ein toller Name für dieses kugelige Raumwunder) wird gleich Ehre getan.
In wohl so ungefähr 60 Minuten übernehmen wir die Verantwortung für diese Schönheiten.
Apropo Schönheiten.
Wie schon beschrieben, leben in unserer Familie auch zwei Fellnasen...eben die heiße Alpdame und der heißblütige Grieche.
Diese beiden haben ebenfalls neue Mitbewohner bekommen.
Es begann alles in einem Baumarkt, als der Frau vom Meer neben dem Hundefutter der Sack "Kitkat" ins Auge fiel...und von eben diesen die Schuppen auf den Fußbodenbelag des "wer, wie, wo, weiß...piep"-Marktes fielen, da der Frau vom Meer ein Gedankesblitz ins Hirn schoss.
"Sag mal Schaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhaaaatz, wollen wir uns eine Katze anschaffen?" Klimper, klimper, klimper...denn klimpern kann die Frau vom Meer wie keine andere. In den Momenten verhexen die Dunklen Wimpern, mit blauen Augenblitzen das Angesicht und den Verstand des Mannes auf ihrem Sofa, so dass es da keine andere Möglichkeit als "na, wenn du willst" gibt.
Gesagt, getan - Anruf im Tierheim, Fahrt zum Tierheim, angeschaut, gezweifelt, wieder angeschaut, immer noch gezweifelt, Katzen gezittert, Zweifel schmolzen im Sonnenlicht, Katzen gekrault, zweifeln aufgehört, Katzen (ja, die Frau vom Meer irrt sich nicht - aus Katze wurde durch das kleine Buchstabelchen n eine Doppelbesetzung) in die Körbchen gesetzt, unterschrieben, ins Auto gesetzt, heimwärts zum Sofa gefahren...
Frau vom Meer während der Autofahrt - so ca. 120 Minuten nach dem Gedankesblitz im Baumarkt ihres Vertrauens - zu ihrem Mann auf ihrem Sofa...Sag mal Schaaahaaatz....haben wir eigentlich eine Macke?
Mann auf ihrem Sofa zeigt das kleinere LiptonIceteezeichen und sagt: "Aber keine Kleine."
So zogen sie also bei uns ein - Dolce und Gabana. Namenspatin war das Tierheim - wir sind unschuldig - ehrlich!
Aber so sehen sie auch aus, edel, golden, exklusiv...passend zu unserer Familie.
Wie es nun aber zu dem weiteren Familienmitglied kam erzählt das Meer ein ander Mal.
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Mittwoch, 26. März 2008
Multikulti
Mittwoch, 26. März 2008
Unsere Familie ist multikulti...
Brandenburg meets Schwabenländle, vor 6 Jahren zog eine kleine Alpbäuerin bei uns ein, letztes Jahr kam ein kleiner Grieche hinzu und heute wirds mediteran.
Er ist klein, feurich und hat schwarze Augen, eine unglaubliche Figur und wenn er in Schwung gekommen ist, gibts kein Halten mehr.
In seinen Armen werden wir alle Platz haben - auf seinem Schoß die Welt erkunden.
Wir freuen uns auf den Kleinen
Brandenburg meets Schwabenländle, vor 6 Jahren zog eine kleine Alpbäuerin bei uns ein, letztes Jahr kam ein kleiner Grieche hinzu und heute wirds mediteran.
Er ist klein, feurich und hat schwarze Augen, eine unglaubliche Figur und wenn er in Schwung gekommen ist, gibts kein Halten mehr.
In seinen Armen werden wir alle Platz haben - auf seinem Schoß die Welt erkunden.
Wir freuen uns auf den Kleinen
frau vom meer | 1 Welle | Kommentieren
Dienstag, 25. März 2008
Berauschend schön
Dienstag, 25. März 2008
Es ist so wie ein neuer Tag. Dann, wenn der Horizont die Nacht zum Schlafen küsst.
Die Luft ist kalt und klar. Du streckst und reckst dich und öffnest all deine Lungenbläschen für die kalte Unschuld dieses Morgens.
Aus dem Recken und Strecken wird ein Aufrechtstehen. Du erhaschst noch einen Blick auf dein Vergangenes Schattensein, welches sich krumm und buckelig im Sand verliert.
Doch dein Blick geht nach vorn. Dorthin, wo du die Freiheit vermutest. Du klopfst den Staub aus deinen Kleidern und machst dich stark und wissbegierig auf den Weg.
So viele Worte, so viel Poesie, und alle sagen nur das Eine...DANKE...Danke für diesen neuen Platz, der nur mir gehört.
Niemand der mich kennt, niemand der weiß wer sie ist...diese Frau vom Meer. Bis auf diese Eine. Die, die mir diesen Ort geschaffen hat. Doch diese Eine ist still. Ebenso still und geheimnisvoll wie eben das Meer.
Schreiben und bloggen heißt Verantwortung tragen. Achte auf diesen! Schau nach jenem! Denk daran! Schweig über das!
Befindlichkeiten, die aus dieser fiktiven Welt einen viel zu großen Einfluss in die Realität schafften.
Und so wurde ich immer stiller. Schrieb nur noch schehmenhaft, ließ mich einfangen - trug Verantwortung.
Klein und eng und atemlos - so war der alte Platz im blauen Nichts.
Weit und verheißungsvoll locken mich die vielen leeren Blogseiten.
Eure Frau vom Meer
Die Luft ist kalt und klar. Du streckst und reckst dich und öffnest all deine Lungenbläschen für die kalte Unschuld dieses Morgens.
Aus dem Recken und Strecken wird ein Aufrechtstehen. Du erhaschst noch einen Blick auf dein Vergangenes Schattensein, welches sich krumm und buckelig im Sand verliert.
Doch dein Blick geht nach vorn. Dorthin, wo du die Freiheit vermutest. Du klopfst den Staub aus deinen Kleidern und machst dich stark und wissbegierig auf den Weg.
So viele Worte, so viel Poesie, und alle sagen nur das Eine...DANKE...Danke für diesen neuen Platz, der nur mir gehört.
Niemand der mich kennt, niemand der weiß wer sie ist...diese Frau vom Meer. Bis auf diese Eine. Die, die mir diesen Ort geschaffen hat. Doch diese Eine ist still. Ebenso still und geheimnisvoll wie eben das Meer.
Schreiben und bloggen heißt Verantwortung tragen. Achte auf diesen! Schau nach jenem! Denk daran! Schweig über das!
Befindlichkeiten, die aus dieser fiktiven Welt einen viel zu großen Einfluss in die Realität schafften.
Und so wurde ich immer stiller. Schrieb nur noch schehmenhaft, ließ mich einfangen - trug Verantwortung.
Klein und eng und atemlos - so war der alte Platz im blauen Nichts.
Weit und verheißungsvoll locken mich die vielen leeren Blogseiten.
Eure Frau vom Meer
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