... neuere Einträge
Dienstag, 8. April 2008
Es gibt Dinge
Dienstag, 08. April 2008
Es gibt Dinge, die sind unbeschreiblich und machen dich sprachlos. Momente, die du wohl nie wieder vergessen wirst. Immer wieder wirst du dich an genau diesen einen Augenblick erinnern, in dem alles anders wurde...
Er ist toll, unglaublich kindisch, verrückt, verspielt, so voller Elan. Er bringt mich immer wieder zum lachen und legt seine Liebe, die er als Vater seiner Tochter nicht geben darf weil sie es nicht zulässt in meine Hände.
Als ich ihn kennen lernte, hatte er es schon überstanden. Immer wieder leuchteten seine Augen - mal ein bisschen feucht, mal von dem Lächeln was in ihnen wohnt.
Im Dezember sagte er mir, dass seine Werte nicht gefallen sind - sie sind sehr hoch. Aber ich baute ihn auf und versuchte ihm ein bisschen Kraft zu schenken.
Im Januar wurde er operiert, als er nach Hause kam, fing er an sein Bein nachzuziehen, sein Kurzzeitgedächtnis wurde immer schlechter.
Seine Lebensgefährtin ist mir wie eine Mama, sie saß bei mir und ließ sich von mir verwöhnen mit einer Fußpflege, als sie mir erzählte, dass sie das alles nicht versteht. Warum er, warum jetzt, wohin soll das noch führen?
Ich begriff sie zwar, aber ich konnte sie nicht verstehen. Meine Jugend schützte mich in dem Moment, und so konnte ich sagen, was man von meiner Position heraus sieht. "Er ist 72, was erwartest du denn?"
Ihre Wünsche, ihre Hoffnungen "jetzt erst richtig anzufangen und ihren Hobbys nachzugehen und so" zeigten mir etwas, womit sie sich niemals auseinandergesetzt hatten. Alt zu sein.
Ja, die Augen sind nicht mehr so gut, ja, man kann nicht mehr so gut laufen, ja, man muss öfter zum Arzt...aber wirklich krank sein? Alt zu sein? Das Ende zu sehen?
Das können sie nicht, diese beiden so unglaublich liebenswerten Menschen. Ich betrachte es abgeklärt, eben "logisch".
Sie verstehen irgendwie gerade die Welt nicht mehr.
Ihre kleine Idylle aus Sonntagsbraten, Zeitung austragen und QVC zerfällt in alle ihre Bestandteile.
"Er hat wohl einen Schlaganfall gehabt", meinte der Arzt.
"Schlägel", so nannten sie es schwäbisch niedlich.
Der Neurologe nennt es jetzt anders. Spricht vom Schmetterlingsförmigen Tumor im vorderen Gehirn.
Heute ist er ins Krankenhaus gekommen. Ein 72 jähriges verängstigtes Kind, welches nicht weiß was mit ihm passiert. An seiner Seite ist sie, die, die so wunderbare Kuchen immer backt. Sie ist 65 und noch so gar nicht alt.
Als die Prostata damals operiert wurde, fragte er sich, warum er.
Heute fragt er sich wieder.
Als ich gestern mit einer Freundin telefoniert hatte, sagte sie mir diese Dinge, die ich wohl nie vergessen werde.
Sie sprach von Streutumoren, die sich im Gehirn und in der Leber, den Nieren festsetzen. Und sie erzählte von ihrem Vater, der damals daran starb.
"Wie lange?", fragte ich sie.
"Den Tumor im Kopf hatten sie damals Ende Januar festgestellt. Gestorben ist er im Mai...endlich."
Ich möchte gern sagen, dass man die Menschen nicht vergleichen kann. Aber sie weiß wovon sie spricht. Sie arbeitet im Labor, hat lange Zeit in der Krebsforschung mitgewirkt.
Ich denke an diese beiden Menschen, die uns so sehr ans Herz gewachsen sind und die gerade jetzt im Krankenhaus sind und auf die Punktion warten.
Und ich denke daran, dass wir unseren Ausbau schneller fertig stellen sollten. Denn damals hatte ich auch darüber mit ihr gesprochen...dass sie immer hier bei uns einen Platz haben wird, wenn er irgendwann einmal sterben sollte.
Ihre Sachen stehen in ihrer neuen Wohnung. Sie sind beide gerade nochmal umgezogen. Wegen der Treppenstufen in ihrem alten Haus. Wollten jetzt nochmal so richtig neu anfangen und mit Bekannten viel unternehmen.
Alles ist noch verpackt. Irgendwie in Umzugskartons.
Und irgendwie ist grad alles surreal. Denn er ist doch nicht alt...nicht mit 72...sagen sie.
Da stehe dann ich wieder und sehe diese grausame Wahrheit vom sicheren Standpunkt der Jugend aus.
Sie tun mir leid. Diese beiden wundervollen Menschen.
Und ich hoffe, dass ich die richtigen Worte finden werde. Nicht ganz so brutal und ehrlich. Aber auch nicht verlogen und illusorisch.
Wieviel Hoffnung machen ist gesund?
Er ist toll, unglaublich kindisch, verrückt, verspielt, so voller Elan. Er bringt mich immer wieder zum lachen und legt seine Liebe, die er als Vater seiner Tochter nicht geben darf weil sie es nicht zulässt in meine Hände.
Als ich ihn kennen lernte, hatte er es schon überstanden. Immer wieder leuchteten seine Augen - mal ein bisschen feucht, mal von dem Lächeln was in ihnen wohnt.
Im Dezember sagte er mir, dass seine Werte nicht gefallen sind - sie sind sehr hoch. Aber ich baute ihn auf und versuchte ihm ein bisschen Kraft zu schenken.
Im Januar wurde er operiert, als er nach Hause kam, fing er an sein Bein nachzuziehen, sein Kurzzeitgedächtnis wurde immer schlechter.
Seine Lebensgefährtin ist mir wie eine Mama, sie saß bei mir und ließ sich von mir verwöhnen mit einer Fußpflege, als sie mir erzählte, dass sie das alles nicht versteht. Warum er, warum jetzt, wohin soll das noch führen?
Ich begriff sie zwar, aber ich konnte sie nicht verstehen. Meine Jugend schützte mich in dem Moment, und so konnte ich sagen, was man von meiner Position heraus sieht. "Er ist 72, was erwartest du denn?"
Ihre Wünsche, ihre Hoffnungen "jetzt erst richtig anzufangen und ihren Hobbys nachzugehen und so" zeigten mir etwas, womit sie sich niemals auseinandergesetzt hatten. Alt zu sein.
Ja, die Augen sind nicht mehr so gut, ja, man kann nicht mehr so gut laufen, ja, man muss öfter zum Arzt...aber wirklich krank sein? Alt zu sein? Das Ende zu sehen?
Das können sie nicht, diese beiden so unglaublich liebenswerten Menschen. Ich betrachte es abgeklärt, eben "logisch".
Sie verstehen irgendwie gerade die Welt nicht mehr.
Ihre kleine Idylle aus Sonntagsbraten, Zeitung austragen und QVC zerfällt in alle ihre Bestandteile.
"Er hat wohl einen Schlaganfall gehabt", meinte der Arzt.
"Schlägel", so nannten sie es schwäbisch niedlich.
Der Neurologe nennt es jetzt anders. Spricht vom Schmetterlingsförmigen Tumor im vorderen Gehirn.
Heute ist er ins Krankenhaus gekommen. Ein 72 jähriges verängstigtes Kind, welches nicht weiß was mit ihm passiert. An seiner Seite ist sie, die, die so wunderbare Kuchen immer backt. Sie ist 65 und noch so gar nicht alt.
Als die Prostata damals operiert wurde, fragte er sich, warum er.
Heute fragt er sich wieder.
Als ich gestern mit einer Freundin telefoniert hatte, sagte sie mir diese Dinge, die ich wohl nie vergessen werde.
Sie sprach von Streutumoren, die sich im Gehirn und in der Leber, den Nieren festsetzen. Und sie erzählte von ihrem Vater, der damals daran starb.
"Wie lange?", fragte ich sie.
"Den Tumor im Kopf hatten sie damals Ende Januar festgestellt. Gestorben ist er im Mai...endlich."
Ich möchte gern sagen, dass man die Menschen nicht vergleichen kann. Aber sie weiß wovon sie spricht. Sie arbeitet im Labor, hat lange Zeit in der Krebsforschung mitgewirkt.
Ich denke an diese beiden Menschen, die uns so sehr ans Herz gewachsen sind und die gerade jetzt im Krankenhaus sind und auf die Punktion warten.
Und ich denke daran, dass wir unseren Ausbau schneller fertig stellen sollten. Denn damals hatte ich auch darüber mit ihr gesprochen...dass sie immer hier bei uns einen Platz haben wird, wenn er irgendwann einmal sterben sollte.
Ihre Sachen stehen in ihrer neuen Wohnung. Sie sind beide gerade nochmal umgezogen. Wegen der Treppenstufen in ihrem alten Haus. Wollten jetzt nochmal so richtig neu anfangen und mit Bekannten viel unternehmen.
Alles ist noch verpackt. Irgendwie in Umzugskartons.
Und irgendwie ist grad alles surreal. Denn er ist doch nicht alt...nicht mit 72...sagen sie.
Da stehe dann ich wieder und sehe diese grausame Wahrheit vom sicheren Standpunkt der Jugend aus.
Sie tun mir leid. Diese beiden wundervollen Menschen.
Und ich hoffe, dass ich die richtigen Worte finden werde. Nicht ganz so brutal und ehrlich. Aber auch nicht verlogen und illusorisch.
Wieviel Hoffnung machen ist gesund?
frau vom meer | 0 Wellen | Kommentieren
... ältere Einträge
