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Mittwoch, 9. April 2008
Er wird sterben
Mittwoch, 09. April 2008
Das hört sich so einfach an...irgendwie ganz weit weg.
Innerlich in mir ist alles so leer. Ich bin schon traurig - so irgendwie, zumindest sagt mir das mein Verstand - aber es ist noch nicht im Herzen angekommen.
Momentan denke ich rein logisch und rational.
Überlege mir, wann wir an unserem Ausbau arbeiten.
Dann habe ich heute im Internet recherchiert und mich über Gehirntumore belesen. Über die, die nicht mehr operiert werden - weiß jetzt auch, dass schmetterlingsförmig bedeutet, dass er sich nach beiden Seiten ausbreitet...oder so ähnlich.
Aber das ist egal.
Und dann habe ich davon gelesen, dass eine Zellverdopplung innerhalb von 10 Tagen erfolgen kann. Das es im Gehirn keinen Druckausgleich gibt.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, an denen er sterben könnte. Vielleicht ein Überdruck, eine Einblutung - Tod. Vielleicht eine Beeinträchtigung des Sprachzentrums, Atemstillstand - Tod...und, und, und.
Aber es wird der Verlust des Sprachschatzes kommen, das Suchen nach Wörtern, der Kontrollverlust um seine Gliedmaßen, Inkontinenz, Schließmuskelkontrollverlust, Atembeschwerden, Verwirrtheit, Lähmungen...
Und das alles innerhalb der nächsten wenigen Wochen. Vielleicht Monate - wenn er Glück hat...innerhalb der nächsten Wochen, wenn wir Glück haben.
Zumindest sage ich das jetzt. Ich weiß, dass es hart klingt, aber wie schon beschrieben. Momentan bin ich rational. Ich denke an seine Lebensgefährtin, die Kraft, die sie aufbringen muss während er langsam (oder schnell) wieder zum Kind wird. Und ich denke an uns. An die Menschen die ihn lieben und die zusehen werden müssen, wenn ... so hoffe ich für ihn ... er im Dämmerzustand nicht mehr so viel mitbekommt.
Wir werden sein Leiden sehen, seine Schmerzen, werden die Tränen weinen, die um ihn vergossen werden aber auch die heimliche Hoffnung die niemand wird auszusprechen wagen, dass es endlich dann vorbei sein soll.
Unterhalb der Woche werde ich einmal hinfahren um den beiden das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind. 150 Kilometer hin, und am nächsten Morgen 150 Kilometer wieder zurück. Jedes zweite Wochenende werden wir dann zu zweit hinfahren und so lange es geht auch noch die schönen Dinge mit ihnen erleben wollen.
Ein befreundeter Arzt meinte heute, dass die Hoffnung niemals gehen sollte. Auch wenn alle wissen, dass er sterben wird...
Vielleicht können wir ihm diese Hoffnung geben? Ich weiß einfach nicht, was das Richtige ist.
Ich glaube, ich würde die Wahrheit wissen und leben wollen.
Aber was möchte er? Wie wird er damit umgehen können?
Wir werden darauf bestehen, dass er starke Antidepressiva bekommt. Soll er noch ein paar rosa Elefanten sehen - das ist egal. Gebt ihm Endorphine...egal ob er davon abhängig wird.
Es würde nichts daran ändern. Er bräuchte keinen Entzug mehr.
Ich habe keine Angst vor der kommenden Zeit. Der Mann auf meinem Sofa schrieb mir heute in einer Mail, dass ich eine tolle Frau bin, weil ich mich kümmere. Meine Mutter hält mich für verrückt, warum ich die Probleme anderer zu meinen werden lasse...schließlich ist es ja "nur" der Partner einer Tante mütterlicherseits meines angetrauten Mannes auf dem Sofa.
Darüber war ich wütend. Sehr wütend. Denn es IST mein "Problem".
Es geht nämlich um Menschen die ich liebe.
"Und wenn wir mal Hilfe brauchen sollten, wer kümmert sich dann um uns?"
"Ich hoffe, dass du noch viele Jahre leben wirst ohne Hilfe zu brauchen...und wenn es dann doch so weit ist, würden wir auch euch helfen so gut wir es können."
Wem das was wir in dem jeweiligen Moment geben können oder geben wollen nicht genug ist, der soll sich zum Teufel scheren.
Oder einfach ablehnen.
Aber fordern, ohne Rücksicht auf die jeweilige momentane Situation, über ein Geschehen was irgendwann mal eintreten könnte, zu einem Zeitpunkt den niemand weiß....das ist widerlich.
Traurig, das sagen zu müssen...aber so sehe ich das. Da spielt es keine Rolle, dass die Empfängerin meiner Botschaft meine Mutter ist.
Innerlich in mir ist alles so leer. Ich bin schon traurig - so irgendwie, zumindest sagt mir das mein Verstand - aber es ist noch nicht im Herzen angekommen.
Momentan denke ich rein logisch und rational.
Überlege mir, wann wir an unserem Ausbau arbeiten.
Dann habe ich heute im Internet recherchiert und mich über Gehirntumore belesen. Über die, die nicht mehr operiert werden - weiß jetzt auch, dass schmetterlingsförmig bedeutet, dass er sich nach beiden Seiten ausbreitet...oder so ähnlich.
Aber das ist egal.
Und dann habe ich davon gelesen, dass eine Zellverdopplung innerhalb von 10 Tagen erfolgen kann. Das es im Gehirn keinen Druckausgleich gibt.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, an denen er sterben könnte. Vielleicht ein Überdruck, eine Einblutung - Tod. Vielleicht eine Beeinträchtigung des Sprachzentrums, Atemstillstand - Tod...und, und, und.
Aber es wird der Verlust des Sprachschatzes kommen, das Suchen nach Wörtern, der Kontrollverlust um seine Gliedmaßen, Inkontinenz, Schließmuskelkontrollverlust, Atembeschwerden, Verwirrtheit, Lähmungen...
Und das alles innerhalb der nächsten wenigen Wochen. Vielleicht Monate - wenn er Glück hat...innerhalb der nächsten Wochen, wenn wir Glück haben.
Zumindest sage ich das jetzt. Ich weiß, dass es hart klingt, aber wie schon beschrieben. Momentan bin ich rational. Ich denke an seine Lebensgefährtin, die Kraft, die sie aufbringen muss während er langsam (oder schnell) wieder zum Kind wird. Und ich denke an uns. An die Menschen die ihn lieben und die zusehen werden müssen, wenn ... so hoffe ich für ihn ... er im Dämmerzustand nicht mehr so viel mitbekommt.
Wir werden sein Leiden sehen, seine Schmerzen, werden die Tränen weinen, die um ihn vergossen werden aber auch die heimliche Hoffnung die niemand wird auszusprechen wagen, dass es endlich dann vorbei sein soll.
Unterhalb der Woche werde ich einmal hinfahren um den beiden das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind. 150 Kilometer hin, und am nächsten Morgen 150 Kilometer wieder zurück. Jedes zweite Wochenende werden wir dann zu zweit hinfahren und so lange es geht auch noch die schönen Dinge mit ihnen erleben wollen.
Ein befreundeter Arzt meinte heute, dass die Hoffnung niemals gehen sollte. Auch wenn alle wissen, dass er sterben wird...
Vielleicht können wir ihm diese Hoffnung geben? Ich weiß einfach nicht, was das Richtige ist.
Ich glaube, ich würde die Wahrheit wissen und leben wollen.
Aber was möchte er? Wie wird er damit umgehen können?
Wir werden darauf bestehen, dass er starke Antidepressiva bekommt. Soll er noch ein paar rosa Elefanten sehen - das ist egal. Gebt ihm Endorphine...egal ob er davon abhängig wird.
Es würde nichts daran ändern. Er bräuchte keinen Entzug mehr.
Ich habe keine Angst vor der kommenden Zeit. Der Mann auf meinem Sofa schrieb mir heute in einer Mail, dass ich eine tolle Frau bin, weil ich mich kümmere. Meine Mutter hält mich für verrückt, warum ich die Probleme anderer zu meinen werden lasse...schließlich ist es ja "nur" der Partner einer Tante mütterlicherseits meines angetrauten Mannes auf dem Sofa.
Darüber war ich wütend. Sehr wütend. Denn es IST mein "Problem".
Es geht nämlich um Menschen die ich liebe.
"Und wenn wir mal Hilfe brauchen sollten, wer kümmert sich dann um uns?"
"Ich hoffe, dass du noch viele Jahre leben wirst ohne Hilfe zu brauchen...und wenn es dann doch so weit ist, würden wir auch euch helfen so gut wir es können."
Wem das was wir in dem jeweiligen Moment geben können oder geben wollen nicht genug ist, der soll sich zum Teufel scheren.
Oder einfach ablehnen.
Aber fordern, ohne Rücksicht auf die jeweilige momentane Situation, über ein Geschehen was irgendwann mal eintreten könnte, zu einem Zeitpunkt den niemand weiß....das ist widerlich.
Traurig, das sagen zu müssen...aber so sehe ich das. Da spielt es keine Rolle, dass die Empfängerin meiner Botschaft meine Mutter ist.
frau vom meer | 0 Wellen | Kommentieren
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